12 mit HIV infizierte Huren in Griechenland öffentlich an den Pranger gestellt

Wahlkampf auf Kosten von 12 mit dem Aids-Virus infizierten Prostituierten soll aktuell in Griechenland betrieben werden, das zumindest berichtet Deutschlands größte Tageszeitung in ihrer Onlineausgabe. Als Referenz wird ein Sprecher eines “angesehenen” Instituts namens Eliamep zitiert.

Nach einer Razzia im Rotlichtviertel von Athen hat die dortige Polizei rund 100 Huren vorläufig festgenommen. Nach ärztlichen Untersuchungen kam nun heraus, das 12 von ihnen mit dem HIV-Virus infiziert sind. In Verhören sollen sie gestanden haben, ungeschützten Geschlechtsverkehr mit Freiern gehabt zu haben und könnten auf diese Weise hunderte oder tausende von griechischen Männern mit dem Aids-Virus angesteckt haben. Dafür wurden sie nun vom regierenden Minister für Bürgerschutz, Michalis Chrysochoidis, in den Medien an den Pranger gestellt.

Öffentlich geißeln?

Jeder Grieche, oder zumindest beinahe jeder kennt nun die Namen der 12 Prostituierten, die wohlmöglich Dutzende von Männern mit HIV angesteckt haben könnten. Es wurden Fotos der Huren im Internet, auf den Webseiten der Polizei veröffentlicht, samt ihrer Namen und Adressen. Der Minister für Bürgerschutz, Michalis Chrysochoidis, verteidigt die Aktion, spricht im Fernsehen davon, dass die Aktion legal sei. Er begründet den Aktionismus damit, dass die Freier auf die Gefahren hingewiesen werden müssten.

Griechische Zeitungen wie das Blatt “Dimokratia” sollen dann ebenfalls die Fotos veröffentlicht haben und beispielsweise getitelt haben “Das sind die 12 Aids-Bomben”.

Wahlkampf auf Kosten anderer

Den Regierungsparteien Nea Dimokratia und Pasok droht eine Abwahl, heißt es, weil in Umfragen vor allem rechtspopulistische Parteien an Zustimmung gewinnen. In Athen habe man zuvor Jahrzehnte über Prostitution stillschweigend geduldet, wurde berichtet. George Tzogopoulos von Eliamep bestätigte der BILD-Zeitung, dass solche Aktionen “offensichtlich” nur dem Wahlkampf dienen.

Was, wenn wir uns an die Simulation gewöhnen?

In der Wissenschaft gab es lange Zeit ein Paradigma, das besagte, Bedeutung wird im Geist entwickelt oder entsteht dort. Dieses Paradigma wurde unter anderem im Kontext des “linguistic turn” noch verschärft. Man nahm an, dass Bedeutung und unsere Welt nur durch den Gebrauch von Sprache entstünde. Sprache war “unhintergehbar”, und der einzige Zugriff auf die Welt, den wir hatten, er war sprachlich fixiert. Dabei ging ein ganzer Zweig der Disziplin zunächst davon aus, dass wir im Gehirn/Geist entsprechende Abbilder von dem bereits zur Verfügung hätten, die wir nur noch abrufen und nach gewissen Schemata zusammensetzen brauchten (vgl. z. B. Noam Chomsky. Wir sind heute wieder von diesen Annahmen fortgekommen und nehmen im Gegenteil eher wieder an, dass Bedeutung im praktischen Umgang mit den Dingen selbst entsteht. Wie unterscheidet sich dahingehend die Simulation von der Realität?

Simulation hat eine andere Qualität

Die Kybernetik, die KI-Forschung und andere Disziplinen trachten schon einige Zeit danach, die geistige Leistung und die maschinelle Ressource einander anzugleichen. Die Akteuer haben die Hoffnung, eines Tages Computer zu produzieren, die das menschliche Gehirn nicht nur zu simulieren, sondern sogar in seiner Leistungsfähigkeit zu überbieten. Bislang hat man das Gefühl, dass die Simulation nicht in der Qualität an die Realität heranreicht. Doch möchte ich begründen, warum das nicht auf Dauer so sein wird.

Realismus ist kulturell bedingt

Nicht erst seit Nelson Goodman wissen wir, dass Realismus eine variable Kategorie ist. Sie hat nach Goodman nichts mit Ähnlichkeit zu tun. Was wir als realistisch empfinden oder nicht, das hängt stark von unserem kulturellen Kontext ab, in dem wir aufwachsen. Schaut man sich vor dem Blick auf die Geschichte an, wie sich der Begriff des Realismus verändert hat, bzw. das, was wir als realistisch empfinden, stellt man schnell fest, dass dabei ein Gewöhnungsprozess abläuft.

Werden wir uns an die Simulation gewöhnen?

Wir kennen die Fotografie. Bei der Beschäftigung mit dem Medium stellen wir fest, dass sie uns etwas zeigt oder zu zeigen in der Lage ist, was eigentlich nicht der Realität entspricht. Die Technik der Fotografie macht sich u. a. Elemente der Zentralperspektive zunutze (in der realistischen Malerei ist das ebenso). Stellen wir uns eine Fotografie vor von einem hohen Gebäude. Die geometrischen Verhältnisse, wie sie auf dem Foto abgebildet sind, entsprechen nicht denjenigen, die wir als Mensch mit der Kombination von Auge und Gehirn wahrnehmen, wenn wir selbst vor dem Haus stehen würden. Wir werden quasi ausgetrickst. Aber wir werden unheimlich gut ausgetrickst, denn wir sind, wenn wir gar nicht darüber Bescheid wüssten, nicht in der Lage, den Betrug an unseren Sinnen festzustellen.

Simulation ist gewöhnungsbedürftig

Dies lässt mich glauben, dass wir uns eines Tages an die Simulation gewöhnen werden und die Qualität der Simulation nicht mehr von der wirklichen Umwelt unterscheiden werden können. Das sind Prozesse, wie sie über Jahrtausende immer gleich ablaufen und so viele Lebensbereiche umfassen. Das führt natürlich in eine Utopie, wie man sie zum Beispiel im Film Matrix erwähnt findet. Die simulierte Parallelwelt, von der wir nicht merken, dass sie nicht echt ist.

Zum einen neigen wir dazu, uns an Dinge zu gewöhnen, selbst wenn wir sie bei ihrer Einführung erst abzulehnen scheinen. Das war beispielsweise bei den ersten Kinovorführungen erkennbar, als Menschen noch schreiend aus dem Saal ranten, weil sie dachten, der Zug würde auf sie zufahren. Zum anderen produzieren wir auf dem Weg, auf der Suche nach der perfekten Simulation (der Illusion) derart viel Gebrauchsmaterial, damit wir überhaupt erst in die Lage versetzt werden, uns daran zu gewöhnen.

Ich bewerte diese Vorgänge nicht, sondern stelle sie lediglich fest, und ich glaube, dass unsere Vorstellungen von der Zukunft sich oftmals eben nur selbst erfüllen können, weil wir so viel Energie darauf verwenden, sie eintreten zu lassen.

Ich glaube, es ist nicht einmal gewagt, zu formulieren, dass Dinge wie körperloser Geschlechtsverkehr (Cybersex), der den echten ersetzt, oder anderes mehr eines Tages den derzeitigen Status Quo substituiert.

Ray Kurzweil: Vom langen Leben zum ewigen Leben

Wenn es nach Ray Kurzweil geht, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis wir ewig leben werden. Vorbei sein könnten dann die Bemühungen, den Tod hinauszögern zu wollen. Vorbei wären dann aber auch die Zeiten, in denen wir Religion, die Vorstellung von der Wiedergeburt oder metaphysische Deutungshorizonte benötigten.

Im Feuilleton der FAZ gab es ein Interview mit Kurzweil um Leben und Tod.

Kurzweil ist dafür bekannt, eine Art moderner Prophet zu sein. Es gibt sie, diese Personen, die mit einem Gemisch aus Wissen, Phantasie und Empathie einen Blick in die Zukunft wagen. Der Romancier Jules Vernes war zweifelsohne ebenfalls so ein Mensch, dessen Ideen von Science-Fiction und Gesellschaftsszenarios immer mal wieder zur Realisation gekommen sind. Kurzweil ist in meinen Augen eine Art Reinkarnation Vernes.

Wie Rivva zeigt, haben den Beitrag im Feuilleton einige Mitglieder der Blogosphäre wahrgenommen, allerdings hat kaum jemand sich wirklich dazu geäußert.

Prognosen sind im akademischen Feld umstritten. Mathematische Modelle können das empirische Leben nur bedingt vorhersagen. Zu komplex sind die vielen Variablen. Unter sich nicht verändernden Umgebungsbedingungen ist es durchaus realistisch, das Eintreffen einer Prognose zu akzeptieren, wenn diese auf Modellen beruht, die sich bewährt haben. In jeder Sekunde allerdings verändern sich die Rahmenbedingungen unserer Gesellschaft. Kurzweil ist dennoch überzeugt, und natürlich geben ihm vergangene Prognosen in Teilen Recht, dass es so kommen wird (kann?), wie er und seine Forschungsgruppe es analysierten.

Künstliche Intelligenz

2045, so Kurzweil, wird die künstliche Intelligenz die menschliche überholt haben. Er hat seine eigenen Krankheiten und seinen Gesundheitszustand nicht herkömmlich betrachtet, sondern als Wissenschaftler und Ingenieur. Kurzweil gibt an, mit der Umstellung seines Lebensstils und mit Nahrungsergänzungsmitteln seine Diabetes Typ II in den Griff bekommen zu haben, er sei symptomfrei. Wenn ihm das Leben nichts noch ein Schnippchen schlagen wird, könnte Kurzweil tatsächlich weiterhin mit einer gewissen stoischen Naivität in die Zukunft blicken.

Es ist die Frage, ob wir überhaupt ewig leben wollen und ob wir erleben möchten, wie wir von der künstlichen Intelligenz versklavt werden. Kurzweil folgt mit seiner Prognose dem Faden spezifischer Utopien, wie sie in Filmen wie Judge Dredd beispielsweise auf der Kinoleinwand um Akzeptanz bei den Akteuren buhlten. Vielleicht ist es am Ende tatsächlich nicht die Frage, ob eine Prognose eintrifft, sondern lediglich, ob aus den utopischen Gedanken eine selbsterfüllende Prophezeiung wird.

Neurowissenschaft: Alkoholiker haben anderen Humor

Eine Forschungsgruppe um Frau Dr. Jennifer Uekermann will nun in einer Studie einen Zusammenhang zwischen Humor und Alkoholismus festgestellt haben.

Die Neurowissenschaftlerin von der Ruhr-Universität in Bochum konnte Hinweise darauf finden, dass der Humor von Alkoholkranken anders funktioniert. Man ist geneigt zu sagen, der Humor von Alkoholikern hat eine Fehlfunktion.

Pointe wählen

Die Versuchsanordnung von Frau Dr. Uekermann sah vor Kontrollgruppen mit Gesunden und Alkoholikern mit unfertigen Witzen zu konfrontieren. Den Versuchspersonen wurden eine Reihe von Pointen zur Verfügung gestellt, die sie auswählen konnten, um den Witz zu vervollständigen.

“Rückfragen an die Testpersonen zur ihrer Auswahl und ihrem Verständnis der Situation im Witz lieferten genauere Informationen über die Humorverarbeitung. Es zeigte sich, dass Alkoholiker seltener die richtige Pointe auswählten und die Pointen allgemein weniger witzig einschätzten als gesunde Kontrollpersonen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bei Alkoholismus Fehlfunktionen des Frontallappens vorliegen.”

Die Ergebnisse der kompletten Studie finden sich in der neusten Ausgabe der Fachzeitschrift “Addiction” (zu Deutsch: Abhängigkeit). Die Pressemitteilung zur Veröffentlichung findet sich auf den Plattform IDW Online.

Versuchsanordnung

Man ließ zwei Gruppen von Versuchspersonen (je 29 Personen, eine Gruppe Alkoholiker, eine Gruppe Anti-Alkoholiker) jeweils entscheiden, wie eine unfertige Erzählung zu Ende gehen würde. Es handelte sich dabei um eine humorige Erzählung, die zudem mit der Antwortauswahl unterschiedliche Pointen zuließ.

Bei Alkoholikern wurde entdeckt, dass diese weitaus weniger häufig den “Witz” an der Erzählung verstanden hatten, und aus diesem Grund Schwierigkeiten bei der Auswahl einer Pointe hatten. Nähere Informationen zu Statistiken werden in der Pressemitteilung nicht gemacht.

Hirnaktivität

Über bildgebende Verfahren wurde zudem festgestellt, dass der präfrontale Kortex für die Verarbeitung von humorvollen Reizen maßgeblich zuständig ist, und überdies besonders anfällig für Giftstoffe aus dem Alkohol scheint.

Die Verarbeitung humorvoller Reize sei zudem nicht nur für zwischenmenschliche Beziehungen von großer Bedeutung, sondern Humor wirke sich gleichsam positiv auf das Immunsystem und auf die Stressverarbeitung aus. Chronischer Alkoholabusus würde demnach das Immunsystem schwächen und zudem psychische Probleme auslösen, da die Stressbewältigung wohl fehlschlägt.

Ex-Cop verrät, wie man nie wieder wegen Marihuana geschnappt wird

Texas: Ein ehemaliger Polizeibeamter, Barry Cooper, wechselt die Fronten und will nun eine Plattform gründen und darauf ein Video veröffentlichen, das Marihuana-Nutzern verrät, wie sie nicht mehr länger von der Polizei in Gewahrsam genommen werden können.

Cooper hat einige Zeit als Drogenfahnder im Osten von Texas gearbeitet, und zwar mit großer Zuverlässigkeit. Das bestätigt sein ehemaliger Vorgesetzter, Tom Finley:

“He was probably the best narcotics officer in the state and maybe the country during his time with the task force.”
Tom Finley

Cooper allerdings ist für die Legalisierung von Marihuana, und zwar weil er die Inhaftierung von Konsumenten als Ressourcen-Verschwendung ansieht. Die Gefängnisse würden mit nicht gewalttätigen, wenig auffälligen Personen angefüllt, während kein Platz mehr für Gewalttäter oder Kinderschänder sei.

Nun will Cooper aus diesem Grund ein “how-to”-Video veröffentlichen (Never get busted again, zu Deutsch ungefähr: Nie wieder auffliegen), in dem er den potenziellen Straftätern erklären möchte, wie sie selbst ungeschoren davon kommen. Sein Hauptantrieb dabei ist die Ungerechtigkeit, die er in der Verurteilung von ganz gewöhnlichen Personen erkennt.

Seine ehemaligen Kollegen von der “guten” Seite hingegen sehen in Coopers Aktion nur ein Mittel, zu Geld zu kommen. Sie wollen das Geschehen beobachten und prüfen, ob das Video gegen geltende Gesetze verstößt. Er selbst bekam sogar so viel Aufmerksamkeit, dass er in einer Nachrichtensendung von NBC auftreten konnte.

SOEP: Wieder keine Märchenhochzeiten in Deutschland

Das Sozio-Oekonomische Panel (SOEP) veröffentlicht dieses Jahr erneut die Statistiken, die Märchenhochzeiten zwischen Teilnehmern unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten als Randerscheinung bestätigen.

In diesem Jahr erfolgt wieder der Hinweis: Die Gesellschaft ist in Deutschland wenig durchlässig. Gleich und gleich gesellt sich gern — das trifft vor allem auf der Ebene von Verdienst und Bildung zu. 50 Prozent der Verheirateten verfügten laut SOEP in Deutschland über denselben Bildungsabschluss, in Großbritannien trifft das nur bei rund 30 Prozent der Ehepaare zu.

Etwas ausgiebigere Informationen finden sich bei scienceticker: In Deutschland ist das Ergebnis “möglicherweise” aufgrund des anderen Bildungssystems zu begründen, das bekanntlich nach unten hin abschließt und schon recht früh die Trennung von Teilnehmern unterschiedlicher Schichten beginnt.

“Ab der 5. Klasse begegnen sich Hauptschüler und Gymnasiasten praktisch kaum noch. Das ist in Großbritannien anders und führt wahrscheinlich zu dem überraschenden Ergebnis, dass die ansonsten traditionelle britische Gesellschaft ‘durchlässiger’ ist als die deutsche.”
Thomas Siedler

Kommentar: Lasst die Arbeitslosen in die ARENA

Man hatte zu Beginn das Gefühl, hier würde nicht Mediengeschichte geschrieben, sondern Politik gemacht. Als ARENA im Wettbieten um die Rechte der Ausstrahlung der 1ten und 2ten Fußball-Bundesliga Georg Kofler und Premiere ausstach, wunderten sich Hinz und Kunz darüber, wer oder was ARENA sei.

Die Profivereine des deutschen Fußballs rieben sich die Hände. Immerhin konnten sie einen satten Zugewinn an Fernsehgeldern verbuchen. Was aber ist das Wert (gewesen)? Respektive: Was aber hat ARENA sich dort zugemutet? – ARENA, das ist ein Konglomerat an Kabelnetzbetreibern, die eigentlich im Infrastruktur-Geschäft der Fernsehwelt tätig waren. Die Unity Media AG zeichnet sich nun verantwortlich für einen jährlich anwachsenden Schuldenberg, wie man bei Digitalfernsehen erfährt.

1 Million Kunden?

Nach eigenen Angaben liegt ARENA im Soll. Was bedeutet das? Nun, es bedeutet z. B., dass ARENA knapp 1 Million Abonennten hat. Die allerdings verteilen sich nicht alle gleich “gut”. ARENA hat, um mehr Kunden zu erreichen zum Beispiel Verträge mit regionalen Kabelnetzbetreibern schließen müssen, oder Kooperationen mit dem ehemaligen Mitstreiter Premiere eingehen. Premiere verdient derzeit für jeden über ihn vermittelten Abonnenten Geld. Nicht wenig sogar: 3,85 Euro. 485.000 der knapp 1 Million Kunden erreicht ARENA nur mittelbar über die Premiere-Plattform im Kabel-Deutschland Netz. Gut die Hälfte also.

ARENA bräuchte laut Geschäftsführer mindestens 2,5 Millionen Abonnenten. Dadurch, dass in vielen Fällen jedes Mal 3,85 Euro an die Konkurrenz entrichtet werden muss, müssten letzten Endes knapp 3 Millionen Kunden her, um ARENA wirtschaftlich werden zu lassen. Schwarze Zahlen schreiben, heißt das in der Umgangssprache.

Dieses Jahr jedoch ist vorbei. Und ARENA hat laut Bericht der Unity Media Aktiengesellschaft (AG) 140 Millionen Euro Verlust gemacht – netto. Die Prognose für das nächste Jahr ist nicht viel erfreulicher. Es wird mit 116 Millionen Euro Netto-Verlust gerechnet. Der Vorstandsvorsitzende, Parm Sandhu, äußerte sich optimistisch, dass ARENA irgendwann Schwarze Zahlen schreiben würde.

Zunächst wird zumindest dieses und nächstes Jahr Verlust eingefahren, mindestens. Verglichen mit dem marginalen Plus, dass “vielleicht” dann erwirtschaftet würde, sind gut 250 Millionen Euro kein Pappenstiel. Es würde Jahre brauchen, bis man die Unkosten amortisiert hätte. Teure Politik.

Man könnte ein soziales Projekt einrichten und jeden Arbeitslosen der Republik zum ARENA-Kunden machen. Dann würde man unvorhergesehen in die Gewinnzone geraten. ARENA setzt zudem voraus, dass das Kundenwachstum sich sukzessive für jedes Jahr fortsetzt. Ein sehr naiver Glaube. Premiere verdient bereits jetzt doppelt an der Bundesliga. Mittels der Produktion der Bildsignale des IPTV-Angebots der Telekom, und wegen der Vermittlungsgebühren über Kabel-Deutschland. Georg Kofler wollte damals ein wenig mehr Exklusivität für das Pay-TV. ARENA wollte – ja was eigentlich? Einfach nur am längeren Hebel sitzen. Es wird sich zeigen, ob das am Ende auch für den längeren Atem reicht.

Repräsentativität am Beispiel von Sextraum-Umfrage von PETRA

Die Wochenzeitung Die Welt berichtet in ihrer Onlineausgabe über eine vermeintlich repräsentative Umfrage der Zeitschrift Petra zum Thema Sexträume. Die Tatsache, dass man bei 1.072 Befragten von Repräsentativität sprechen kann, lässt einen die Stirn in Falten legen.

Die Sextraum-Umfrage wurde von der GEWIS durchgeführt. Die Organisation bietet Medienschaffenden an, sich für wenige hundert Euro ein paar Fragen kaufen zu können, die dann bei regelmäßig stattfindenden Telefoninterviews über Call-Center abgefragt werden, zusätzlich zu dem eigentlichen Korpus an Fragen.

Wie teuer ist Repräsentativität?

Die GEWIS bietet ihre Dienste bereits für 600 Euro an, wie man auf der Website einsehen kann. “Eine” Frage mit acht Antwortmöglichkeiten kriegt man dafür. Die Ergebnisse werden aufbereitet. Die zweite, dritte und weitere Fragen kosten jeweils nur noch 400 Euro. Individuelle Wünsche sind nach Absprache ebenfalls möglich. Die Frage ist, wie viel gibt – wie viel kann eine Zeitschrift wie die PETRA für eine Umfrage ausgeben? Und “wie viel” Wert haben die Ergebnisse? Auch ohne Interview mit den Verantwortlichen lassen sich Indizien sammeln, wenn man anhand der Antworten die möglichen gestellten Fragen rekonstruiert.

Frauen träumen circa fünf Mal im Monat erotisch, Männer circa drei Mal so oft. Wenn ein Monat 30 Tage hat, müssten Männer jeden zweiten Tag einen erotischen Traum haben. Jeder männliche Leser kann für sich selbst entscheiden, ob er demzufolge das richtige Geschlecht trägt, oder nicht. Die Frage zu dieser potenziellen Antwort kann man sich leicht dazu denken. Die Antwort weist aber durchaus auf Ungereimtheiten hin. Anderen, und durchaus repräsentativeren Umfragen zufolge, leiden in Deutschland unheimlich viele Leute unter Schlafstörungen. Zum entspannten und auch erotischen Träumen ist ein gesunder Schlaf jedoch eine notwendige Voraussetzung.

Im Grundstudium Sozialwissenschaften wird bereits darüber aufgeklärt, wie wichtig die Art der Fragestellung ist, in Kombination mit den vorhandenen Antworten. Wenn Kategorien angegeben werden mit einer Häufigkeit “bis”, dann bleibt den Betreffenden nichts anderes übrig, als manches Mal eine Milchmädchenrechnung als ihre eigene Antwort gelten zu lassen.

Männer schneiden auf

Zudem gibt es Studien, die gerade in diesem Bereich, der erotischen Themen von Befragungen einen Unterschied im Antwortverhalten von Männern und Frauen festgestellt haben. Männer schneiden häufiger auf, sie neigen zu Übertreibungen. Resultieren tut das, zumindest den Erklärungen nach, aus den Anforderungen an männliches Rollenverhalten. Mann muss seiner Rolle gerecht werden, wie Frau aber auch.

Sexträume von Frauen seien subtiler, heißt es der Umfrage zufolge. Wie interpretiert man das Wort “subtil”? Es bedeutet feinsinniger. Laut den Befragten – und hier kommt ein weiteres Fragezeichen hinzu – sind Frauen schon durch Eindrücke wie Farben, Töne, Stimmungen oder Gesten erregt. Damit eine Umfrage ausgewogen ist, sollten gut 50% Männer und 50% Frauen daran teilnehmen. Dass die GEWIS derlei Rahmenbedingungen sicherstellt, sollte in ihrem eigenen Erkenntnisinteresse liegen. 1072 Frauen zwischen 29 und 35 Jahren habe die GEWIS ausgefragt. Eine sehr enge Gruppe von Befragten, offensichtlich eine, die der Zielgruppe der Leserschaft von Petra entsprechen soll.

Zu beliebten Motiven der erotischen Träume der befragten Frauen zählen der geheimnisvolle Fremde im Taxi, oder Sex vor Zuschauern.

Bei der Berichterstattung der Wochenzeitung Die Welt bleibt unklar, ob auch Männer befragt wurden, und so stellt sich jedes Mal die Frage, wie die entsprechenden Antworten oder Aussagen über die Sexträume von Männern zustande kamen. Eine entsprechende Anfrage ist noch nicht beantwortet worden. Eine Ausgabe der Illustrierten liegt nicht vor. — Weiterhin heißt es, dass sich jeder vierten Frau aus dem Kreis der Befragten schon einmal ein Traum in der Realität erfüllte. Ganz allgemein empfinden die Befragten Frauen Sexträume als wichtig. 86% sehen geheime Botschaften darin verschlüsselt.

Überschlägt man die bei Die Welt angegeben Themen, kommt man insgesamt auf 5 Fragen, die die Zeitschrift Petra in Auftrag gegeben haben könnte. Vielleicht hat diese Umfrage das Budget der Illustrierten um ca. 2500 Euro erleichtert. Verglichen mit den Kosten für wissenschaftlich fundierte Empirie ein Klacks. Die Aussagekraft der Ergebnisse wirkt zweifelhaft.

Jerseyville: Taser-Waffe tötet geistig verwirrten 17-Jährigen

Jerseyville, USA: Ein 17-Jähriger schlendert mit einer Bibel und einem mobilen Haustelefon bewaffnet die Straße entlang. Der junge Roger Holyfield, nicht verwandt oder verschwägert mit dem Schwergewichtsboxer, dem einst Mike Tyson ein Ohr abbiss – er ist, wie Freunde ihn beschreiben, ein wenig geistig verwirrt. Ist er sogar geisteskrank? An diesem Tag schlendert er die South State Street entlang, ausgestattet mit eben jenen beiden Utensilien und schreit nach Jesus.

Zwei Beamte der Jerseyville-Polizei wollen den Jungen beruhigen, dabei eskaliert die Situation. Die Polizisten machen von so genannten Taser-Waffen Gebrauch. Zwei Mal feuert einer der Streifenpolizisten die Waffe ab. Zwei Mal jagen 50.000 Volt Strom durch den Körper des 17-jährigen Holyfield. Im Krankenhaus stirbt er. Eine scheinbar harmlose Situation ist außer Kontrolle geraten.

Der Fall hat eine offenbar bereits vorhandene Diskussion um den Gebrauch solcher lähmenden Waffen verschärft.

Es stirbt ein Unschuldiger. Unklar ist lediglich, ob in diesem Fall fahrlässige Tötung vorliegt. Zwei Beamte scheinen mit einem unbewaffneten 17-Jährigen überfordert gewesen zu sein, dass die Verwendung der Betäubungswaffe als Ausweg helfen sollte.

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