12 mit HIV infizierte Huren in Griechenland öffentlich an den Pranger gestellt

Wahlkampf auf Kosten von 12 mit dem Aids-Virus infizierten Prostituierten soll aktuell in Griechenland betrieben werden, das zumindest berichtet Deutschlands größte Tageszeitung in ihrer Onlineausgabe. Als Referenz wird ein Sprecher eines “angesehenen” Instituts namens Eliamep zitiert.

Nach einer Razzia im Rotlichtviertel von Athen hat die dortige Polizei rund 100 Huren vorläufig festgenommen. Nach ärztlichen Untersuchungen kam nun heraus, das 12 von ihnen mit dem HIV-Virus infiziert sind. In Verhören sollen sie gestanden haben, ungeschützten Geschlechtsverkehr mit Freiern gehabt zu haben und könnten auf diese Weise hunderte oder tausende von griechischen Männern mit dem Aids-Virus angesteckt haben. Dafür wurden sie nun vom regierenden Minister für Bürgerschutz, Michalis Chrysochoidis, in den Medien an den Pranger gestellt.

Öffentlich geißeln?

Jeder Grieche, oder zumindest beinahe jeder kennt nun die Namen der 12 Prostituierten, die wohlmöglich Dutzende von Männern mit HIV angesteckt haben könnten. Es wurden Fotos der Huren im Internet, auf den Webseiten der Polizei veröffentlicht, samt ihrer Namen und Adressen. Der Minister für Bürgerschutz, Michalis Chrysochoidis, verteidigt die Aktion, spricht im Fernsehen davon, dass die Aktion legal sei. Er begründet den Aktionismus damit, dass die Freier auf die Gefahren hingewiesen werden müssten.

Griechische Zeitungen wie das Blatt “Dimokratia” sollen dann ebenfalls die Fotos veröffentlicht haben und beispielsweise getitelt haben “Das sind die 12 Aids-Bomben”.

Wahlkampf auf Kosten anderer

Den Regierungsparteien Nea Dimokratia und Pasok droht eine Abwahl, heißt es, weil in Umfragen vor allem rechtspopulistische Parteien an Zustimmung gewinnen. In Athen habe man zuvor Jahrzehnte über Prostitution stillschweigend geduldet, wurde berichtet. George Tzogopoulos von Eliamep bestätigte der BILD-Zeitung, dass solche Aktionen “offensichtlich” nur dem Wahlkampf dienen.

Emden trauerte um Lena und entschuldigt sich wegen Lynchjustiz (auf Facebook)

Am Freitagabend waren im ostfriesischen Emden rund 2.500 Menschen zusammengekommen, um nicht nur ihre Anteilnahme am Tod der 11-jährigen Lena kundzutun, sondern auch die öffentliche Vorverurteilung eines damals 17-jährigen im Internet anzuprangern respektive sich für diese zu entschuldigen. Der Oberbürgermeister der Stadt, Bernd Bornemann, “schämt sich” für das, was im Zuge der Mordermittlungen geschehen ist.

[zitat urheber="Bernd Bornemann" ausrichtung="rechts"]“Wir müssen Abschied nehmen von der Illusion einer heilen unbeschwerten Stadt.”[/zitat]

Falsche Person in U-Haft

Ende März ist die 11-jährige Lena in einem Parkhaus in Emden vergewaltigt, und getötet worden. Ein damals 17-jähriger wurde zu Unrecht verdächtigt, wie sich später herausgestellt hat. Erst drei Tage später konnte mittles DNA-Test nachgewiesen werden, dass nicht er, sondern ein 18-jähriger die Tat verübt hatte. Genug Zeit, um Foto, Namen und Adresse des vermeintlichen Täters im Sozialen Netzwerk Facebook zu verbreiten – zusammen mit dem Aufruf zur Lynchjustiz. Während der vermeintliche Täter unschuldig in Untersuchungshaft saß, sollen bis zu 50 Menschen vor dem Gefängnis seine Herausgabe gefordert haben.

[zitat urheber="Pastor Manfred Meyer" ausrichtung="links"]“Die Medien und die Schnelligkeit der Ereignisse haben uns einfach überrollt.”[/zitat]

Dass das Verhältnisse wie im Mittelalter zur Zeit der Hexenverbrennungen sind, verrät das Kirchenmitglied nicht.

Mittlerweile hat ein 18-jähriger die Tat gestanden. Die Staatsanwaltschaft Aurich hat Ermittlungen gegen einen ebenfalls 18-jährigen aufgenommen, der das Foto des zu unrecht Beschuldigten samt Namen, Adressen und Aufforderungen zur Selbstjustiz ins Netz gestellt hatte. Er wolle sich persönlich beim Opfer entschuldigen, heißt es.

Emden nimmt Anteil

Mit dem Treffen vor dem Rathaus der Stadt wollten die Anwesenden nicht nur der toten Lena gedenken, sondern ferner unterstreichen, dass die Stadt Emden nicht von Vorverurteilung und Selbstjustiz geprägt ist, sondern vielmehr von Anteilnahme und Solidarität. Der zu Unrecht beschuldigte Jugendliche soll ebenfalls an der Veranstaltung teilgenommen haben.

Silvana Koch-Mehrin verliert Doktortitel, wird Forschungspolitikerin

Finde den Fehler in der Überschrift… Silvana Koch-Mehrin wurde erst vor Kurzem von der Uni Heidelberg der Doktortitel entzogen – sie zog sich vorerst von allen politischen Ämtern zurück. Trotzig nahm sie den Entzug der Doktorwürde hin, jedoch nicht ohne bockig anzuführen, dass die gravierenden Mängel an ihrer Arbeit, die zum Entzug des Dr. vor ihrem Namen geführt haben, bereits vor dem Einreichen der Arbeit der Uni (und scheinbar auch ihr) bekanntgewesen seien. Methodik und Ungenauigkeit der Zitationen seien nicht angemessen gewesen.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, haben die Prüfer der Universität Heidelberg bei ihrer Untersuchung (wohlgemerkt, nachdem sie ihre Arbeit zum Thema “Die Lateinische Münzunion 1865-1927″ vor einigen Jahren bereits mit “cum laude” bewertet hatten), auf über 80 Seiten Seiten 120 Textstellen gefunden, die als Plagiate zu klassifizieren seien – viele der verwendeten Quellen tauchen nicht einmal im Quellenverzeichnis auf.

“Angesichts der Vielzahl und des systematischen Charakters der Plagiate kann kein Zweifel daran bestehen, dass sich Frau Koch-Mehrin in ihrer Dissertation fremdes geistiges Eigentum angeeignet und als das eigene ausgegeben hat.”
(Manfred Berg, Dekan der Philosophischen Fakultät der Uni Heidelberg)

Akademische Erkenntnisse verbeiten?

Noch nicht lange von ihren Ämtern zurückgetreten, bekleidet die FDP-Politikerin nun einen neuen Job, und darf sich EU-Forschungspolitikerin in Brüssel nennen. Am Mittwochnachmittag ist Koch-Mehrin Berichten des Spiegel zufolge von Parlamentsvizepräsident Gianni Pittella in dieses Amt befördert worden – stellvertretendes Mitglied im Gremium war Koch-Mehrin schon länger. Zu ihrem neuen Tätigkeitsfeld zählt unter anderem die “Verbreitung und Auswertung wissenschaftlicher Erkenntnisse”.

Zu ihrem neuen Amt befragt, ließ sich Koch-Mehrin zu keiner Stellungnahme hinreißen. Auch FDP-Chef Philipp Rösler und Fraktionschef Rainer Brüderle wollten sich bis dato nicht zu Koch-Mehrins neuem Job äußern. Jorgo Chatzimarkakis, der den neuen Posten Koch-Mehrins bis dato inne hatte, gab diesen unlängst auf. Grund? Auch seine Doktorarbeit soll (laut Spiegel) derzeit von der Universität Bonn auf Ungereimtheiten und wegen Plagiatsverdacht untersucht werden.

Update: Silvana Koch-Marin hat bereits ihren Rücktritt aus dem Forschungsausschuss verkündet. Die Nachricht des neuen Jobs der FDP-Politikerin hatte heftige Kritik deutscher Wirtschaftsorganisationen hervorgerufen.

Goldener Windbeutel 2011 Milch-Schnitte

Dreisteste Werbelüge: Foodwatch prämiert Milch-Schnitte

So oder so ähnlich könnte die Laudatio gelautet haben, die die Milch-Schnitte (und ergo auch die Firma Ferrero) mit dem “Goldenen Windbeutel” für die dreisteste Werbelüge des laufenden Jahres “auszeichnet”. In der Werbung zum Produkt stellen zumeist Sportler die Milch-Schnitte vor, die “gut schmecken und nicht belasten” soll. Den Verbrauchern wird vorgemacht, einen leichten Snack zu erwerben, den sogar Sportler essen (und die sind gemeinhin bekannt dafür, dass sie sich mit gesundem Essen auskennen).

Einer Online-Abstimmung der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch zufolge “kürten” mehr als 51 000 Verbraucher (43,5 Prozent der Stimmen) die Milch-Schnitte zur Mogelschnitte. Die Stimmen konnten bis zum 16. Juni auf der Internet-Seite abgespeist.de abgegeben werden. Laut foodwatch steckt in einer “leichten” Milch-Schnitte mehr Zucker, Fett und mehr Kalorien als in einem Stück Sahnetorte vom Bäcker um die Ecke.

Die Milch-Schnitte konnte bei der diesjährigen Umfrage Danones “Activia”-Joghurt, “Ferdi Fuchs Mini-Würstchen” von Stockmeyer und das  “Schlemmertöpfchen Feine Gürkchen” aus dem Hause Kühne auf die Plätze 2-5 verweisen. Vorjahresgewinner des “Goldenen Windbeutels”  – der “Monte Drink” von Zott –  konnte sich in diesem Jahr nicht mehr unter den ersten 5 platzieren. Sicher nicht, weil er auf einmal so gesund geworden ist ….

Der “Goldene Windbeutel” soll Ferrero heute überreicht worden sein. Ob sie (bzw. Vertreter des Unternehmens) ihn angenommen haben, bleibt fraglich. Bereits im Vorfeld der “freudigen Übergabe” ließ man verlauten, dass man sich von den Erkenntnissen Foodwatchs distanziere und Ferrero keine Hinweise vorlägen, dass die Verbraucher die Milch-Schnitten-Werbung und ihre Aussagen irreführend fänden. Ich jedenfalls – bin drauf reingefallen. Um seinem Unmut über die dreiste Lüge kundzutun, halten die Macher von abgespeist.de auch gleich einen Schrieb bereit, mit dem man Ferrero zum Preis gratulieren kann – 4032 bis dato scheinbar genauso ahnungslose Kunden (Stand: 17.06.-22:40h) scheinen davon bereits dankend Gebrauch gemacht zu haben.

Was, wenn wir uns an die Simulation gewöhnen?

In der Wissenschaft gab es lange Zeit ein Paradigma, das besagte, Bedeutung wird im Geist entwickelt oder entsteht dort. Dieses Paradigma wurde unter anderem im Kontext des “linguistic turn” noch verschärft. Man nahm an, dass Bedeutung und unsere Welt nur durch den Gebrauch von Sprache entstünde. Sprache war “unhintergehbar”, und der einzige Zugriff auf die Welt, den wir hatten, er war sprachlich fixiert. Dabei ging ein ganzer Zweig der Disziplin zunächst davon aus, dass wir im Gehirn/Geist entsprechende Abbilder von dem bereits zur Verfügung hätten, die wir nur noch abrufen und nach gewissen Schemata zusammensetzen brauchten (vgl. z. B. Noam Chomsky. Wir sind heute wieder von diesen Annahmen fortgekommen und nehmen im Gegenteil eher wieder an, dass Bedeutung im praktischen Umgang mit den Dingen selbst entsteht. Wie unterscheidet sich dahingehend die Simulation von der Realität?

Simulation hat eine andere Qualität

Die Kybernetik, die KI-Forschung und andere Disziplinen trachten schon einige Zeit danach, die geistige Leistung und die maschinelle Ressource einander anzugleichen. Die Akteuer haben die Hoffnung, eines Tages Computer zu produzieren, die das menschliche Gehirn nicht nur zu simulieren, sondern sogar in seiner Leistungsfähigkeit zu überbieten. Bislang hat man das Gefühl, dass die Simulation nicht in der Qualität an die Realität heranreicht. Doch möchte ich begründen, warum das nicht auf Dauer so sein wird.

Realismus ist kulturell bedingt

Nicht erst seit Nelson Goodman wissen wir, dass Realismus eine variable Kategorie ist. Sie hat nach Goodman nichts mit Ähnlichkeit zu tun. Was wir als realistisch empfinden oder nicht, das hängt stark von unserem kulturellen Kontext ab, in dem wir aufwachsen. Schaut man sich vor dem Blick auf die Geschichte an, wie sich der Begriff des Realismus verändert hat, bzw. das, was wir als realistisch empfinden, stellt man schnell fest, dass dabei ein Gewöhnungsprozess abläuft.

Werden wir uns an die Simulation gewöhnen?

Wir kennen die Fotografie. Bei der Beschäftigung mit dem Medium stellen wir fest, dass sie uns etwas zeigt oder zu zeigen in der Lage ist, was eigentlich nicht der Realität entspricht. Die Technik der Fotografie macht sich u. a. Elemente der Zentralperspektive zunutze (in der realistischen Malerei ist das ebenso). Stellen wir uns eine Fotografie vor von einem hohen Gebäude. Die geometrischen Verhältnisse, wie sie auf dem Foto abgebildet sind, entsprechen nicht denjenigen, die wir als Mensch mit der Kombination von Auge und Gehirn wahrnehmen, wenn wir selbst vor dem Haus stehen würden. Wir werden quasi ausgetrickst. Aber wir werden unheimlich gut ausgetrickst, denn wir sind, wenn wir gar nicht darüber Bescheid wüssten, nicht in der Lage, den Betrug an unseren Sinnen festzustellen.

Simulation ist gewöhnungsbedürftig

Dies lässt mich glauben, dass wir uns eines Tages an die Simulation gewöhnen werden und die Qualität der Simulation nicht mehr von der wirklichen Umwelt unterscheiden werden können. Das sind Prozesse, wie sie über Jahrtausende immer gleich ablaufen und so viele Lebensbereiche umfassen. Das führt natürlich in eine Utopie, wie man sie zum Beispiel im Film Matrix erwähnt findet. Die simulierte Parallelwelt, von der wir nicht merken, dass sie nicht echt ist.

Zum einen neigen wir dazu, uns an Dinge zu gewöhnen, selbst wenn wir sie bei ihrer Einführung erst abzulehnen scheinen. Das war beispielsweise bei den ersten Kinovorführungen erkennbar, als Menschen noch schreiend aus dem Saal ranten, weil sie dachten, der Zug würde auf sie zufahren. Zum anderen produzieren wir auf dem Weg, auf der Suche nach der perfekten Simulation (der Illusion) derart viel Gebrauchsmaterial, damit wir überhaupt erst in die Lage versetzt werden, uns daran zu gewöhnen.

Ich bewerte diese Vorgänge nicht, sondern stelle sie lediglich fest, und ich glaube, dass unsere Vorstellungen von der Zukunft sich oftmals eben nur selbst erfüllen können, weil wir so viel Energie darauf verwenden, sie eintreten zu lassen.

Ich glaube, es ist nicht einmal gewagt, zu formulieren, dass Dinge wie körperloser Geschlechtsverkehr (Cybersex), der den echten ersetzt, oder anderes mehr eines Tages den derzeitigen Status Quo substituiert.

Ray Kurzweil: Vom langen Leben zum ewigen Leben

Wenn es nach Ray Kurzweil geht, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis wir ewig leben werden. Vorbei sein könnten dann die Bemühungen, den Tod hinauszögern zu wollen. Vorbei wären dann aber auch die Zeiten, in denen wir Religion, die Vorstellung von der Wiedergeburt oder metaphysische Deutungshorizonte benötigten.

Im Feuilleton der FAZ gab es ein Interview mit Kurzweil um Leben und Tod.

Kurzweil ist dafür bekannt, eine Art moderner Prophet zu sein. Es gibt sie, diese Personen, die mit einem Gemisch aus Wissen, Phantasie und Empathie einen Blick in die Zukunft wagen. Der Romancier Jules Vernes war zweifelsohne ebenfalls so ein Mensch, dessen Ideen von Science-Fiction und Gesellschaftsszenarios immer mal wieder zur Realisation gekommen sind. Kurzweil ist in meinen Augen eine Art Reinkarnation Vernes.

Wie Rivva zeigt, haben den Beitrag im Feuilleton einige Mitglieder der Blogosphäre wahrgenommen, allerdings hat kaum jemand sich wirklich dazu geäußert.

Prognosen sind im akademischen Feld umstritten. Mathematische Modelle können das empirische Leben nur bedingt vorhersagen. Zu komplex sind die vielen Variablen. Unter sich nicht verändernden Umgebungsbedingungen ist es durchaus realistisch, das Eintreffen einer Prognose zu akzeptieren, wenn diese auf Modellen beruht, die sich bewährt haben. In jeder Sekunde allerdings verändern sich die Rahmenbedingungen unserer Gesellschaft. Kurzweil ist dennoch überzeugt, und natürlich geben ihm vergangene Prognosen in Teilen Recht, dass es so kommen wird (kann?), wie er und seine Forschungsgruppe es analysierten.

Künstliche Intelligenz

2045, so Kurzweil, wird die künstliche Intelligenz die menschliche überholt haben. Er hat seine eigenen Krankheiten und seinen Gesundheitszustand nicht herkömmlich betrachtet, sondern als Wissenschaftler und Ingenieur. Kurzweil gibt an, mit der Umstellung seines Lebensstils und mit Nahrungsergänzungsmitteln seine Diabetes Typ II in den Griff bekommen zu haben, er sei symptomfrei. Wenn ihm das Leben nichts noch ein Schnippchen schlagen wird, könnte Kurzweil tatsächlich weiterhin mit einer gewissen stoischen Naivität in die Zukunft blicken.

Es ist die Frage, ob wir überhaupt ewig leben wollen und ob wir erleben möchten, wie wir von der künstlichen Intelligenz versklavt werden. Kurzweil folgt mit seiner Prognose dem Faden spezifischer Utopien, wie sie in Filmen wie Judge Dredd beispielsweise auf der Kinoleinwand um Akzeptanz bei den Akteuren buhlten. Vielleicht ist es am Ende tatsächlich nicht die Frage, ob eine Prognose eintrifft, sondern lediglich, ob aus den utopischen Gedanken eine selbsterfüllende Prophezeiung wird.

Neurowissenschaft: Alkoholiker haben anderen Humor

Eine Forschungsgruppe um Frau Dr. Jennifer Uekermann will nun in einer Studie einen Zusammenhang zwischen Humor und Alkoholismus festgestellt haben.

Die Neurowissenschaftlerin von der Ruhr-Universität in Bochum konnte Hinweise darauf finden, dass der Humor von Alkoholkranken anders funktioniert. Man ist geneigt zu sagen, der Humor von Alkoholikern hat eine Fehlfunktion.

Pointe wählen

Die Versuchsanordnung von Frau Dr. Uekermann sah vor Kontrollgruppen mit Gesunden und Alkoholikern mit unfertigen Witzen zu konfrontieren. Den Versuchspersonen wurden eine Reihe von Pointen zur Verfügung gestellt, die sie auswählen konnten, um den Witz zu vervollständigen.

“Rückfragen an die Testpersonen zur ihrer Auswahl und ihrem Verständnis der Situation im Witz lieferten genauere Informationen über die Humorverarbeitung. Es zeigte sich, dass Alkoholiker seltener die richtige Pointe auswählten und die Pointen allgemein weniger witzig einschätzten als gesunde Kontrollpersonen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bei Alkoholismus Fehlfunktionen des Frontallappens vorliegen.”

Die Ergebnisse der kompletten Studie finden sich in der neusten Ausgabe der Fachzeitschrift “Addiction” (zu Deutsch: Abhängigkeit). Die Pressemitteilung zur Veröffentlichung findet sich auf den Plattform IDW Online.

Versuchsanordnung

Man ließ zwei Gruppen von Versuchspersonen (je 29 Personen, eine Gruppe Alkoholiker, eine Gruppe Anti-Alkoholiker) jeweils entscheiden, wie eine unfertige Erzählung zu Ende gehen würde. Es handelte sich dabei um eine humorige Erzählung, die zudem mit der Antwortauswahl unterschiedliche Pointen zuließ.

Bei Alkoholikern wurde entdeckt, dass diese weitaus weniger häufig den “Witz” an der Erzählung verstanden hatten, und aus diesem Grund Schwierigkeiten bei der Auswahl einer Pointe hatten. Nähere Informationen zu Statistiken werden in der Pressemitteilung nicht gemacht.

Hirnaktivität

Über bildgebende Verfahren wurde zudem festgestellt, dass der präfrontale Kortex für die Verarbeitung von humorvollen Reizen maßgeblich zuständig ist, und überdies besonders anfällig für Giftstoffe aus dem Alkohol scheint.

Die Verarbeitung humorvoller Reize sei zudem nicht nur für zwischenmenschliche Beziehungen von großer Bedeutung, sondern Humor wirke sich gleichsam positiv auf das Immunsystem und auf die Stressverarbeitung aus. Chronischer Alkoholabusus würde demnach das Immunsystem schwächen und zudem psychische Probleme auslösen, da die Stressbewältigung wohl fehlschlägt.

Ex-Cop verrät, wie man nie wieder wegen Marihuana geschnappt wird

Texas: Ein ehemaliger Polizeibeamter, Barry Cooper, wechselt die Fronten und will nun eine Plattform gründen und darauf ein Video veröffentlichen, das Marihuana-Nutzern verrät, wie sie nicht mehr länger von der Polizei in Gewahrsam genommen werden können.

Cooper hat einige Zeit als Drogenfahnder im Osten von Texas gearbeitet, und zwar mit großer Zuverlässigkeit. Das bestätigt sein ehemaliger Vorgesetzter, Tom Finley:

“He was probably the best narcotics officer in the state and maybe the country during his time with the task force.”
Tom Finley

Cooper allerdings ist für die Legalisierung von Marihuana, und zwar weil er die Inhaftierung von Konsumenten als Ressourcen-Verschwendung ansieht. Die Gefängnisse würden mit nicht gewalttätigen, wenig auffälligen Personen angefüllt, während kein Platz mehr für Gewalttäter oder Kinderschänder sei.

Nun will Cooper aus diesem Grund ein “how-to”-Video veröffentlichen (Never get busted again, zu Deutsch ungefähr: Nie wieder auffliegen), in dem er den potenziellen Straftätern erklären möchte, wie sie selbst ungeschoren davon kommen. Sein Hauptantrieb dabei ist die Ungerechtigkeit, die er in der Verurteilung von ganz gewöhnlichen Personen erkennt.

Seine ehemaligen Kollegen von der “guten” Seite hingegen sehen in Coopers Aktion nur ein Mittel, zu Geld zu kommen. Sie wollen das Geschehen beobachten und prüfen, ob das Video gegen geltende Gesetze verstößt. Er selbst bekam sogar so viel Aufmerksamkeit, dass er in einer Nachrichtensendung von NBC auftreten konnte.

SOEP: Wieder keine Märchenhochzeiten in Deutschland

Das Sozio-Oekonomische Panel (SOEP) veröffentlicht dieses Jahr erneut die Statistiken, die Märchenhochzeiten zwischen Teilnehmern unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten als Randerscheinung bestätigen.

In diesem Jahr erfolgt wieder der Hinweis: Die Gesellschaft ist in Deutschland wenig durchlässig. Gleich und gleich gesellt sich gern — das trifft vor allem auf der Ebene von Verdienst und Bildung zu. 50 Prozent der Verheirateten verfügten laut SOEP in Deutschland über denselben Bildungsabschluss, in Großbritannien trifft das nur bei rund 30 Prozent der Ehepaare zu.

Etwas ausgiebigere Informationen finden sich bei scienceticker: In Deutschland ist das Ergebnis “möglicherweise” aufgrund des anderen Bildungssystems zu begründen, das bekanntlich nach unten hin abschließt und schon recht früh die Trennung von Teilnehmern unterschiedlicher Schichten beginnt.

“Ab der 5. Klasse begegnen sich Hauptschüler und Gymnasiasten praktisch kaum noch. Das ist in Großbritannien anders und führt wahrscheinlich zu dem überraschenden Ergebnis, dass die ansonsten traditionelle britische Gesellschaft ‘durchlässiger’ ist als die deutsche.”
Thomas Siedler

Kommentar: Lasst die Arbeitslosen in die ARENA

Man hatte zu Beginn das Gefühl, hier würde nicht Mediengeschichte geschrieben, sondern Politik gemacht. Als ARENA im Wettbieten um die Rechte der Ausstrahlung der 1ten und 2ten Fußball-Bundesliga Georg Kofler und Premiere ausstach, wunderten sich Hinz und Kunz darüber, wer oder was ARENA sei.

Die Profivereine des deutschen Fußballs rieben sich die Hände. Immerhin konnten sie einen satten Zugewinn an Fernsehgeldern verbuchen. Was aber ist das Wert (gewesen)? Respektive: Was aber hat ARENA sich dort zugemutet? – ARENA, das ist ein Konglomerat an Kabelnetzbetreibern, die eigentlich im Infrastruktur-Geschäft der Fernsehwelt tätig waren. Die Unity Media AG zeichnet sich nun verantwortlich für einen jährlich anwachsenden Schuldenberg, wie man bei Digitalfernsehen erfährt.

1 Million Kunden?

Nach eigenen Angaben liegt ARENA im Soll. Was bedeutet das? Nun, es bedeutet z. B., dass ARENA knapp 1 Million Abonennten hat. Die allerdings verteilen sich nicht alle gleich “gut”. ARENA hat, um mehr Kunden zu erreichen zum Beispiel Verträge mit regionalen Kabelnetzbetreibern schließen müssen, oder Kooperationen mit dem ehemaligen Mitstreiter Premiere eingehen. Premiere verdient derzeit für jeden über ihn vermittelten Abonnenten Geld. Nicht wenig sogar: 3,85 Euro. 485.000 der knapp 1 Million Kunden erreicht ARENA nur mittelbar über die Premiere-Plattform im Kabel-Deutschland Netz. Gut die Hälfte also.

ARENA bräuchte laut Geschäftsführer mindestens 2,5 Millionen Abonnenten. Dadurch, dass in vielen Fällen jedes Mal 3,85 Euro an die Konkurrenz entrichtet werden muss, müssten letzten Endes knapp 3 Millionen Kunden her, um ARENA wirtschaftlich werden zu lassen. Schwarze Zahlen schreiben, heißt das in der Umgangssprache.

Dieses Jahr jedoch ist vorbei. Und ARENA hat laut Bericht der Unity Media Aktiengesellschaft (AG) 140 Millionen Euro Verlust gemacht – netto. Die Prognose für das nächste Jahr ist nicht viel erfreulicher. Es wird mit 116 Millionen Euro Netto-Verlust gerechnet. Der Vorstandsvorsitzende, Parm Sandhu, äußerte sich optimistisch, dass ARENA irgendwann Schwarze Zahlen schreiben würde.

Zunächst wird zumindest dieses und nächstes Jahr Verlust eingefahren, mindestens. Verglichen mit dem marginalen Plus, dass “vielleicht” dann erwirtschaftet würde, sind gut 250 Millionen Euro kein Pappenstiel. Es würde Jahre brauchen, bis man die Unkosten amortisiert hätte. Teure Politik.

Man könnte ein soziales Projekt einrichten und jeden Arbeitslosen der Republik zum ARENA-Kunden machen. Dann würde man unvorhergesehen in die Gewinnzone geraten. ARENA setzt zudem voraus, dass das Kundenwachstum sich sukzessive für jedes Jahr fortsetzt. Ein sehr naiver Glaube. Premiere verdient bereits jetzt doppelt an der Bundesliga. Mittels der Produktion der Bildsignale des IPTV-Angebots der Telekom, und wegen der Vermittlungsgebühren über Kabel-Deutschland. Georg Kofler wollte damals ein wenig mehr Exklusivität für das Pay-TV. ARENA wollte – ja was eigentlich? Einfach nur am längeren Hebel sitzen. Es wird sich zeigen, ob das am Ende auch für den längeren Atem reicht.

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